Patienten mit Osteoporose, die zur
stationären Rehabilitation aufgenommen werden, haben eine
deutlich eingeschränkte Lebensqualität. Diese verminderte
Lebensqualität ist jedoch nur zu einem kleineren Teil durch den
Schweregrad der Wirbelsäulendeformierung erklärbar und ist
unabhängig vom Alter der vertebralen Fraktur. Komplexe
Rehabilitationsmaßnahmen füh-ren bei diesen Patienten zu
einer signifikanten Verbesserung sowohl der physischen als auch
psychischen Dimensionen der Lebensqualität.
Osteoporose ist eine metabolische
Erkrankung des Knochens, die mit einer Verminderung der Knochenmasse
und -struktur einhergeht und letztendlich zu einer verminderten
ossären Funktionalität führt [2].
Ätiologisch ist die primäre Osteoporose,
bei der keine Ursachen faßbar sind, von der sekun-dären Osteoporose
abzugrenzen. Letztere ist kausal auf eine andere Erkrankung oder physikalische/chemische
Noxe zurückzuführen. Erkrankungen, die zu einer Osteoporose führen
können, sind Endokrinopathien, maligne Erkrankungen, hereditäre Erkrankungen
des Stütz-gewebes, renale und intestinale Erkrankungen, Krankheiten des
rheumatologischen Formenkreises und Hypophosphatämie. Zu den physikalischen
Noxen sind Lähmungen und längere Immobilisierung zu zählen. Als
chemisch-pharmakologische Ursachen der Osteoporose sind neben Alkohol auch Medikamente
wie Heparin, Glucocorticoide, etc. zu nennen. Eine detaillierte Darstellung
der Ursachen der sekundären Osteoporose sind der nachstehenden Tabelle
1 [2] zu entnehmen:
Tabelle 1: Einteilung und Ursachen der
Osteoporose
Primäre Osteoporosen:
Sekundäre Osteoporosen:
Cushing-Syndrom
Hyperthyreose
Hypogonadismus
Hyperprolaktinämie
Diabetes
mellitus Typ I
Hyperparathyreoidismus
Plasmozytom
Non-Hodgkin-Lymphome
Mastozytose
Diffuse Knochenmarkskarzinose
Langfristige Bettruhe
Paraplegie
Homozystinurie
Osteogenesis imperfecta
Ehlers-Danlos-Syndrom
Marfan-Syndrom
Menke-Syndrom
Heparin
LH-RH-Analoga
Glukokortikoide
Methotrexat
Alkohol
renale
Osteopathie
intestinale Osteopathie (z. B. primär biliäre Zirrhose,
Morbus Crohn, Maldigestion,
Malabsorption,
Zustand nach Gastrektomie)
Rheumatoide Arthritis
Hypophosphatämie
1.2. Klinische Manifestation
der Osteoporose
Klinische Zeichen der manifesten Osteoporose sind
pathologische Frakturen, die neben der akuten Schmerzsymptomatik Behinderung
und erhöhte Mortalität nach sich ziehen können. Typischerweise
manifestieren sich osteoporotische Frakturen am distalen Radius, am proximalen
Femur und an den Wirbelkörpern. Prinzipiell können diese Frakturen
jedoch jeden Knochen betreffen [2]. Typische Veränderungen der Wirbelkörper
sind Fisch- und Keilwirbel, die durch Einbrüche der Wirbelkörper auch
ohne nachweisbares Trauma entstehen.
Langfristig führen diese Veränderungen
des knöchernen Stützgerüsts zu einer erheblichen Veränderung
des Gesamthabitus wie Größenabnahme mit den bekannten klinischen
Zeichen des osteoporotischen Rundrückens aufgrund einer Hyperkyphose der
BWS, des Tannenbaumphänomens durch Ausbildung entsprechender Hautfalten
am Rücken und der Entwicklung eines Kugelbauches [2]. Durch diesen habituellen
Umbau des Körpers kommt es zur Beeinträchtigung der Lungenfunktion
durch Abnahme der Vitalkapazität und des FEV 1 [12], zur Störung des
Herz-Kreislauf-Systems, Verlagerung der Ansätze und Ursprünge diverser
Mus-keln, Dehnung von Sehnen und Veränderungen von Gelenkstellungen, was
langfristig wiederum zur Überlastung von Bändern und Sehnen sowie
Arthrosen führt. Letztendlich rufen all diese Veränderungen eine chronische
Schmerzsymptomatik, eine Beeinträchtigung von Vitalfunktionen und körperliche
Behinderungen hervor, was dann zusammen mit den psychischen Auswirkungen (Unsicherheit,
Angst vor Stürzen und neuen Frakturen, Scham etc.) und sozialen Einschränkungen
zu einer erheblichen Minderung der Lebensqualität und zur Steigerung der
Mortalität führt.